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	<title>meertext &#187; Museum</title>
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	<description>Navigation im Meer der Worte</description>
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		<title>Geheimnisvolle Schnabelwale – von Entenwalen und Zweizahnwalen</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Nov 2012 12:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meeresforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Ozean]]></category>
		<category><![CDATA[Schnabelwale]]></category>
		<category><![CDATA[Wale]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Schnabelwale sind mittelgroße Zahnwale, von denen die meisten Menschen noch nie gehört haben. Die Tiere sind zwar nicht sehr klein, sondern zwischen 3,5 und über 12 Metern groß, aber sie leben meistens im offenen Meer, weit vor den Küsten. Nach meinen eigenen Erfahrungen während eines Wal-Surveys in der Antarktis 1996/97 meiden viele Arten den Kontakt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Schnabelwale sind mittelgroße Zahnwale, von denen die meisten Menschen noch nie gehört haben.<br />
Die Tiere sind zwar nicht sehr klein, sondern zwischen 3,5 und über 12 Metern groß, aber sie leben meistens im offenen Meer, weit vor den Küsten. Nach meinen eigenen Erfahrungen während eines Wal-Surveys in der Antarktis 1996/97 meiden viele Arten den Kontakt mit Menschen und tauchen vorher ab. Darum werden sie selten gesichtet. Auf den ersten Blick sehen die meisten von ihnen mit ihren langgezogenen Schnabel für Laien aus wie zu groß geratene Delphine. Auch das ist nicht hilfreich bei ihrer Identifikation.</p>
<p>Um 1990 waren sie die am wenigsten bekannte Familie der Wale. Mit ihrer wenig erforschten Lebensweise und ihren seltsam geformten Köpfen, die ganz anders aussehen, als alle anderen Wale, haben sie mich auf den ersten Blick fasziniert: Ich schrieb meine Diplomarbeit über zwei dieser Arten aus dem Nordatlantik.</p>
<p>Während der Arbeit hatte ich mir einen dieser außergewöhnlichen Schädel auf den Schreibtisch gestellt und an ihm ein neues Messverfahren entwickelt und erprobt. Es war ein noch nicht ausgewachsener Nördlicher Entenwal (<em>Hyperoodon ampullatus</em>). Seinen Schädel habe ich in – und auswendig studiert: Etwa 1,30 Meter lang mit hoch aufgewölbtem Hirnschädel und hohen seitlichen Kämmen (Maxillarkämmen) auf dem Oberkiefer:<br />
Der Donald Duck unter den Walen!<span id="more-317"></span></p>
<p>Ich habe Tage gebraucht, bis ich den Schädel verstanden hatte.<br />
Mit voller Kraft konnte ich den Schädel des Jungtiers gerade eben allein heben &#8211; und meinen kleinen Liebling in den Armen halten.</p>
<p>Schädel von Nördlichen Entenwalen war immerhin in einigen zoologischen Museen und Instituten in Deutschland und Holland zu finden, er ist nicht so selten und strandet ab und an auch an der deutschen Nordseeküste. Früher wurde er sogar kommerziell bejagt, auch aus dieser Zeit sind Schädel erhalten, mit den charakteristischen Messerspuren vom „Abflensen“.</p>
<p><strong>Auf der staubigen Suche nach dem Zweizahnwal</strong><br />
„Meine“ zweite Walart war in Deutschland wesentlich schwieriger zu finden: Der Sowerby-Zweizahnwal, <em>Mesoplodon bidens</em>.<br />
In Deutschland waren nur zwei Exemplaren aufzutreiben.<br />
Die Gattung <em>Mesoplodon</em> ist wesentlich kleiner als ein Entenwal (<em>Hyperoodon</em>), die Tiere werden nur zwischen 3,5 und 6 Meter groß. Die anderen Schnabelgattungen sind meist nur in ein oder zwei Arten aufgespalten.<br />
Die Zweizahnwale &#8211; <em>Mesoplodon</em> &#8211; ist mit 14 Arten die große Ausnahme. Diese Artenvielzahl wird unter Wissenschaftlern diskutiert, aber nicht wirklich verstanden. Manchmal kommen mehrere Arten im gleichen Seegebiet vor. Und da beginnt die Sache, wirklich kompliziert zu werden…<br />
Leider sehen sie sich alle ziemlich ähnlich.</p>
<p><em>Mesoplodon</em> ist zwar ein Zahnwal, de facto haben aber nur ausgewachsene Männchen zwei sichtbare Zähne im Unterkiefer. Die Bezahnung ist artspezifisch und absolut abgefahren: Bei manchen Arten wachsen zwei Hauer aus dem Unterkiefer über dem Oberkiefer zusammen.</p>
<p>Die Zähne der erwachsenen Männchen sind das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Zweizahnwal-Arten. Leider bleiben bei Jungtieren und Weibchen diese Zähne im Gaumen verborgen.<br />
Um die Tiere sicher zu identifizieren, muss man also „nur“ einem erwachsenen Männchen ins Maul schauen. Bei einem vorbeischwimmenden Wal ist das eine gewaltige Herausforderung – nur Flipper zeigte freiwillig ein photogenes Grinsen.</p>
<p><strong>Neue Walart auf dem Fischmarkt</strong><br />
Sie leben meistens in kleinen Gruppen im offenen Ozean und sind durch ihr eher unauffälliges Verhalten auf See schwer zu entdecken. Die lebenden Tiere und die Schädel können nur von Fachleuten identifiziert werden.<br />
Das hat dazu geführt, dass gleich drei <em>Mesoplodon</em>-Arten erst in den letzten drei Jahrzehnten „entdeckt“ worden sind: In Museumssammlungen und auf Fischmärkten:</p>
<p>In neuerer Zeit können diese seltenen Tiere durch die umfassende und hervorragende Forschungsarbeit von Merel Dalebout auch über DNA-Analysen zugeordnet werden:<br />
1991 wurde der <a title="Peruanischer Schnabelwal" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peruanischer_Schnabelwal">Peruanische Schnabelwal</a> (<em>M. peruvianus</em>) beschrieben.<br />
2002 hatte der <a title="Perrin-Schnabelwal" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Perrin-Schnabelwal">Perrin-Schnabelwal</a> (<em>M. perrini</em>) sein wissenschaftliches Debut.<br />
Und nun macht der der <a title="Bahamonde-Schnabelwal" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bahamonde-Schnabelwal">Bahamonde-Schnabelwal</a> (<em>M. traversii</em>) Schlagzeilen…(lesen Sie dazu auch den meertext-Beitrag: <a title="Der Bahamonde-Schnabelwal - ein mysteriöses Phantom aus der Tiefsee" href="http://blog.meertext.eu/2012/11/06/der-bahamonde-schnabelwal-%E2%80%93-ein-mysterioses-phantom-aus-der-tiefsee/" target="_blank">„<strong>Der Bahamonde-Schnabelwal – ein mysteriöses Phantom aus der Tiefsee?</strong>“)</a>.</p>
<p>Dabei sind diese Tiere wirklich gar nicht so klein.<br />
Und es ist auch nicht so, dass sie vorher nicht da waren.<br />
Es hat bloß keiner richtig hingeguckt.<br />
Schnabelwale sind immer wieder für Überraschungen gut, gerade in den ungeheuren Weiten des pazifischen Ozeans.<br />
Vielleicht findet Merel ja noch ein paar neue Arten?<br />
Für mich als Zoologin ist das ein gutes Gefühl: Es gibt immer noch etwas zu entdecken!</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>Merel L. Dalebout, James G. Mead, C. Scott Baker, Alan N. Baker, &amp; Anton L. van Helden (2002): A New Species of Beaked Whale, <em>Mesoplodon perrini</em> sp. n. (Cetacea: Ziphiidae), Discovered Through Phylogenic Analysis of Mitochondrial DNA Sequences. <a title="Marine Mammal Science" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marine_Mammal_Science">Marine Mammal Science</a> 18 (3): 577-608. <a title="Digital Object Identifier" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier">doi</a>:<a href="http://dx.doi.org/10.1111%2Fj.1748-7692.2002.tb01061.x">10.1111/j.1748-7692.2002.tb01061.x</a> <a href="http://whitelab.biology.dal.ca/md/Dalebout_2003_Mperrini.pdf">vollständiges PDF</a></p>
<p>A. L. van Helden, A. N. Baker, M. L. Dalebout, J. C. Reyes, K. Van Waerebeek, C. S. Baker: <em>Resurrection of Mesoplodon traversii (Gray, 1874), senior synonym of M. bahamondi Reyes, Van Waerebeek, Cardenas and Yanez, 1995 (Cetacea: Ziphiidae)</em>, In: <a title="Marine Mammal Science" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marine_Mammal_Science">Marine Mammal Science</a>, 18(3):609–621 (July 2002)</p>
<p>Taylor, B.L., Baird, R., Barlow, J., Dawson, S.M., Ford, J., Mead, J.G., Notarbartolo di Sciara, G., Wade, P. &amp; Pitman, R.L. 2008. <em>Mesoplodon peruvianus</em>. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.2. &lt;<a href="http://www.iucnredlist.org">www.iucnredlist.org</a>&gt;. Downloaded on <strong>05 November 2012</strong>.</p>
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		<title>Sammlungswelten: Axolotl – ein Molch zwischen Jugendwahn und Roadkill</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 17:57:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
		<category><![CDATA[Senckenberg-Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[In einer Vitrine der Ausstellung &#8220;Sammlungswelten&#8221; sind einige Ausnahme-Tiere und Raritäten zu sehen, die Meilensteine der Biologie sind und die jeder Biologe persönlich kennt. Der Axolotl ist einer davon. Der Axolotl ist ein mexikanischer Schwanzlurch. Er trägt an beiden Seiten des Kopfes drei äußere Kiemenäste, dahinter liegen die Kiemenspalten. Der Axolotl hat als erwachsenes Tier [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In einer Vitrine der Ausstellung &#8220;Sammlungswelten&#8221; sind einige Ausnahme-Tiere und Raritäten zu sehen, die Meilensteine der Biologie sind und die jeder Biologe persönlich kennt. Der Axolotl ist einer davon.<em></em><strong><em><br />
</em></strong>Der Axolotl ist ein mexikanischer Schwanzlurch. Er trägt an beiden Seiten des Kopfes drei äußere Kiemenäste, dahinter liegen die Kiemenspalten. Der <em>Axolotl</em> hat als erwachsenes Tier Kiemen und Lungen. Dadurch kann er sowohl im Wasser als auch an der Luft atmen &#8211; ein atemtechnischer Tausendsassa!</p>
<p><strong>Für immer jung</strong><strong><em>: Axolotl (</em></strong><strong><em>Siredon mexicanum </em></strong><strong>(1890))</strong><br />
Normalerweise leben Amphibienlarven im Wasser und atmen über Kiemen, nach der Metamorphose atmen sie dann über Lungen und können das Wasser verlassen.<br />
Der Axolotl und einige andere Molche durchlaufen keine Metamorphose, sondern erreichen die Geschlechtsreife im Kiemen tragenden Larvenstadium. Der Grund für das Ausbleiben der Metamorphose ist ein Schilddrüsendefekt: Die Ausschüttung von Wachstumshormonen bleibt aus.<br />
Das Erreichen der Geschlechtsreife im Larvalstadium heißt <strong>Neotenie</strong>.</p>
<p>Wenn sich die Lebensumstände eines Axolotl verschlechtern, etwa durch eine zu starke Erwärmung des Wohngewässers, kann es dann trotzdem noch zur Metamorphose kommen: die äußeren Kiemen entwickeln sich dann zurück. Die Tiere können dann das unkomfortabel oder lebensbedrohlich gewordene Wohngewässer verlassen und, wie jeder andere erwachsene Molch auch, an Land leben.<span id="more-250"></span><br />
Wilde Axolotl leben nur in einigen mexikanischen Seen, aufgrund der Wasserverschmutzung und Trockenlegung von Feuchtgebieten sind sie vom Aussterben bedroht.<br />
Ihr Name bedeutet in der aztekischen Sprache Nahuatl etwa „Wassermonstrum“.</p>
<p>Neben der ungewöhnlichen Eigenschaft der Neotenie haben Axolotl auch außergewöhnliche Fähigkeiten zur <strong>Regeneration</strong>: Gliedmaßen, Organe und sogar Teile des Gehirns und Herzens können nach Verlust oder Beschädigung  nachwachsen.</p>
<p><strong><em> </em>Der Axolotl als Kultfigur und Haustier</strong><br />
Axolotl haben spätestens durch das Buch von Helene Hegemann „<em>Axolotl Roadkill</em>“ Kultstatus erreicht und wohnen seitdem in noch mehr deutschen Haushalten als Haustier. Das exotische amphibische Haustier hat spezifische gesundheitliche Probleme, mit denen Tierärzte oftmals überfordert sind. Der Berliner Tierarzt Frank Mutschmann, ein Amphibien- und Reptilien-Spezialist, hat deshalb einen <a title="Axolotl-App für Tierärzte" href="http://itunes.apple.com/us/app/id441899997?mt=8" target="_blank">Axolotl-App für Tierärzte</a> entwickelt, um die Gesundheitsfürsorge der außergewöhnlichen Molche auch in deutschen Wohnzimmern sicher zu stellen.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
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		<title>Sammlungswelten: Zungen – in aller Munde</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2012/01/08/sammlungswelten-zungen-%e2%80%93-in-aller-munde/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 10:50:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
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		<description><![CDATA[In dem Ausstellungsabschnitt zu den Organsystemen der Wirbeltiere war natürlich auch das Verdauungssystem ein Thema (s. auch : „Sammlungswelten: Verdauung von Z(-unge) bis A(-nus). Beim Stöbern im Tiefspeicher fiel uns die sehr umfangreiche Zungen-Sammlung auf: Das sensible Mundorgan war in allen Größen und Formen vertreten. Schnell wurde klar: Davon müssen wir möglichst viele zeigen. Die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In dem Ausstellungsabschnitt zu den Organsystemen der Wirbeltiere war natürlich auch das Verdauungssystem ein Thema (s. auch : <strong>„</strong><strong>Sammlungswelten: Verdauung von Z(-unge) bis A(-nus)</strong>. Beim Stöbern im Tiefspeicher fiel uns die sehr umfangreiche Zungen-Sammlung auf: Das sensible Mundorgan war in allen Größen und Formen vertreten.<br />
Schnell wurde klar: Davon müssen wir möglichst viele zeigen.</p>
<p><strong></strong>Die Zunge ist sowohl ein Sinnesorgan als auch der Beginn des Verdauungstraktes. Viele Tiere überprüfen mit diesem Sinnesorgan am Anfang des Verdauungstraktes, ob etwas für sie genießbar ist. Außerdem lenkt dieses Mundorgan die Nahrung und kontrolliert den Zerkleinerungsprozess. Und bei Reptilien dient es sogar als Ortungsorgan.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Schlangen</span></strong> züngeln mit geschlossenem Maul. Durch eine Spalte im Oberkiefer ragt die Zunge auch bei geschlossenem Maul heraus. Die Zunge nimmt Geruchspartikel auf. Durch die gespaltene Zunge kann die Schlange sich mit dieser Geruchsinformation räumlich orientieren und die Richtung einer Geruchsquelle identifizieren. In der Ausstellung sind die Zungen von Puffotter (<em>Bitis arietans) </em>und Abgottschlange (<em>Boa constrictor) </em>zu sehen.<span id="more-240"></span><br />
Der Komodowaran hat, wie Schlangen, eine lange dünne, gespaltene Zunge, aber viel größer. Ein Komodowaran wird bis zu 3 Meter lang und 70 kg schwer, er trägt seinen Namen „Komododrache“ zu Recht. Darum steht ihm auch eine sehr große Zunge zu.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Vogelzungen</span></strong> sind generell stabiler und weniger flexibel als Säugetierzungen. Sie sind meist flach und dreieckig geformt.<br />
Einige Vögel haben spezielle Zungenformen entwickelt, die oft beim Nahrungserwerb eingesetzt werden:<br />
<strong>Pinguin- und Flamingozungen</strong> sind mit vielen scharfen Keratin-Haken besetzt. Die Haken sind nach hinten gerichtet und helfen, die glitschige Nahrung wie Fische festzuhalten.<br />
<strong>Papageien und Sittiche</strong> haben dicke, kurze Zungen. Damit können sie ihr Futter- Früchte und Nüsse &#8211; manipulieren. Die mit Sinneszellen besetzte Zunge wird zum Schmecken und Betasten unbekannter Objekte und potentieller Nahrung eingesetzt.<br />
Der australische <strong>Lärmlederkopf </strong>(<em>Philemon corniculatus</em>) aus der Familie der Honigfresser ernährt sich vor allem von Blütennektar. Die röhrenförmige Zunge funktioniert dabei wie ein Strohhalm, um den Nektar aufzusaugen.<br />
Manche Piepmätze haben also einen ganzen Werkzeugkasten im Schnabel.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Säugetiere</span></strong> haben meistens dicke, fleischige Zungen.<br />
Die <strong>Giraffe </strong>pflückt mit ihrer bis zu 50 cm (!) langen Greifzunge Blätter in den Baumkronen. Diese Giraffenzunge ist so lang, dass sie im Glas aufgerollt werden musste.<br />
Der <strong>Ameisenbär</strong> hat eine in Relation zu seinem Körper ungeheuer lange und auch noch klebrige Zunge. Damit kann er tief in Termiten- und Ameisenbauten hinein reichen und die Insekten auflecken. Die Zunge kann in eine lange Scheide am Brustbein zurückgezogen werden &#8211; ein Zungenfutteral! Das ausgestellte Ameisenbären-Skelett mit der erhaltenen Zunge, der entsprechenden Bindegewebs-Scheide und einer ungewöhnlichen Blaufärbung ist ein echter Hingucker. Ein Meisterwerk der Tierpräparation.</p>
<p><strong>Katzenzungen</strong> sind mit Papillen besetzt und darum sehr rau. Die zentralen Papillen tragen Dornen zum Kämmen des Felles oder zum Abschaben des Fleisches von Knochen. Die vorderen Papillen dienen der eigentlichen Geschmackswahrnehmung. Katzen können sauer, salzig und bitter schmecken, aber nicht süß.<br />
In der Ausstellung sind gleich drei Katzenspezies-Zungen zu sehen: Hauskatze (<em>Felis silvestris catus), </em>Jaguar (<em>Panthera onca) </em>und Löwe<em> (Panthera leo). </em>Jeder weiß, dass Hauskatzen raue Zungen haben. An der riesigen Löwenzunge wird die raue Oberfläche mit den Papillen dann auch mit bloßem Auge sichtbar. Davon möchte man doch lieber nicht abgeschleckt werden.</p>
<p>Eigentlich wollten wir noch die Schokoladen-Katzenzungen dazulegen, die exklusive Leckerei aus Kindertagen. Wir haben uns dann letztendlich doch dagegen entschieden. Vielleicht hätte es im Museum Mäuse angezogen…quietschfidele, „nicht ausgestopft“…</p>
<p><em> Bettina Wurche</em></p>
<p><strong> </strong></p>
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		<title>Sammlungswelten: Schräge Vögel</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2011/12/14/sammlungswelten-schrage-vogel/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 20:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Senckenberg-Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Federviecher machen einen sehr kleinen Teil der ausgestellten Präparate aus. Dafür haben sie uns erstaunlich viel Nachdenken bereitet. Denn: wir sind zwar alle drei gestandene Zoologen, aber keine Vogel-Experten&#8230; Der röhrende Kranich Auf einem blaugefärbten Präparat in einem hohen Schliffglas ist zu lesen: „Spaltfußgans (Anseranas semipalmata) Herz, Lunge, Luftröhre (blau gefärbt)“ Die Luftröhre ist [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Federviecher machen einen sehr kleinen Teil der ausgestellten Präparate aus. Dafür haben sie uns erstaunlich viel Nachdenken bereitet. Denn: wir sind zwar alle drei gestandene Zoologen, aber keine Vogel-Experten&#8230;</span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000;"><strong>Der röhrende Kranich</strong><br />
Auf einem blaugefärbten Präparat in einem hohen Schliffglas ist zu lesen:<br />
„</span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: x-small;">Spaltfußgans (</span></span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: x-small;"><em>Anseranas semipalmata</em></span></span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: x-small;">)<br />
Herz, Lunge, Luftröhre (blau gefärbt)“</span></span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Die Luftröhre ist klar erkennbar und unglaublich lang, das mehrfach gefaltete Organ ist mit einer Art Kabelbinder zusammengebunden.<br />
Wir gucken ungläubig zu dritt auf das Präparat: Wo um Himmels willen hat eine Gans eine so lange Luftröhre? Die ist ja mehrere Male so lang wie das ganze Tier!<span id="more-233"></span></span></span></span></p>
<p lang="de-DE"><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Eine Recherche ergibt Folgendes:<br />
Kraniche, Trompeterschwäne und einige andere verwandte Vögel (darunter eben auch die genannte Spaltfußgans) haben sehr lange Luftröhren (Tracheae). Die überlangen Luftröhren werden im Körper spiralförmig aufgewickelt. Eine Abbildung zeigt ein wie einen Gartenschlauch aufgerolltes Organ im Hinterleib der Gans.<br />
Eine solche sehr lange Trachea der Kraniche wurde übrigens schon 1250 von Kaiser Friedrich II beschrieben. Ist also gar keine neue Erkenntnis. Irgendwie unangenehm, dass Kaiser Fritz II mehr darüber wußte als ich in einem siebenjährigen Studium gelernt habe.<br />
Neue Forschungen setzen diese extrem verlängerten Luftröhren in einen Kontext mit den extrem lauten Geräuschen, die die Vögel produzieren können – mehr Länge gleich mehr Lärm.</span></span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: small;">Gestern abend traf ich am Mainufer auf ein Pärchen Nilgänse, die dort wohnen. Eine der beiden kam gerade von einem kurzen Rundflug zurück, darum mußten sich die beiden erst mal entzückt begrüßen: Köpfchen aneinander reiben, Hälse umschlingen und enthemmt loströten: RÖÖÖÖÖÖHHHHRRRR</span></span></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-size: small;">.<br />
Quod erat demonstandum.</span></span><br />
Rockröhren wie Gianna Nanini würden jeden Kranich um seine Stimmkraft mit dem satten Sound beneiden- nur bei der Vokalisation von Texten bleiben die Vögel klar hinter den ungefiederten Rocksängern zurück.<br />
Piep.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Die Henne und die Eier</strong></span><br />
„<span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em><strong>Gallus gallus domesticus, </strong></em></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Ovar“ </strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">heißt ein großes Präparat in einem vierkantingen Glas.<br />
Jeder weiß, wie ein Huhn und ein Hühnerei aussehen. Wie es aber genau dazu kommt, dass die arbeitsame Henne (fast) jeden Tag ein Ei legt, darüber macht man sich eher weniger Gedanken.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Dieses alte Lehrpräparat zeigt:<br />
So ein Huhn hat eine regelrechte Eierfabrik in seinem geräumigen Bauch. Der Eierstock ist sehr groß und produziert zahlreiche Eier bzw. Eianlagen gleichzeitig: Die ganz kleinen Eier haben die Größe der winzig kleinen österlichen Zuckereier, dann gibt es alle Zwischengrößen und die größten Eier sind schon so gut wie legefertig. Die Eierschale wird von einer gesonderten Schalendrüse abgegeben. Hühner haben übrigens, wie die meisten Vögel nur einen einzigen Eierstock, meistens wird der linke ausgebildet.<br />
Für mich eines der interessantesten Stücke der Ausstellung: die scheinbar alltäglichen Hühner und ihre Eier beherbergen tiefe Geheimnisse.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Von Bregen bis Klöten &#8211; Allerlei vom Strauß</strong><br />
Hirn, Magen und Penis vom Strauß sehen auf den ersten Blick kaum so aus, als ob sie zum gleichen Tier gehören würden.<br />
Der</span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong> Kopf </strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">ist für einen zwei Meter großen Vogel winzig, die </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Gehirngröße</strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"> nicht weiter erwähnenswert. Unser Hirnanatom Helmut (Dr. Helmut Wicht) hat den Kopf mit dem freigelegten Hirn liebevoll in Szene gesetzt: Durch einen darüber angebrachten Spiegel kann man das Gehirn von oben betrachten, ohne sich dabei den Hals zu verrenken.<br />
Der </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Magen des Strauß</strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"> ist gigantisch: ein riesiger, prall gefüllter Sack in einem riesigen gläsernen Topf. Die Füllung besteht aus der pflanzlichen Nahrung wie Körnern, Gräsern, Blättern und anderen Pflanzenteilen. Dazu kommen noch Sand und Steine,mit denen die Nahrung im Muskelmagen zerkleinert wird. Die Steine werden als Gastrolithen, Magensteine, bezeichnet. Diese „Kauhilfen“ können bis zu 45 % des Mageninhalts einnehmen.<br />
Strauße picken auf der Suche nach geeigneten Gastrolithen oft auch andere kleine Gegenstände auf, darum werden in ihren Mägen oft Münzen, Schrauben und andere Gegenstände gefunden. Zu gerne hätte ich den Mageninhalt untersucht&#8230;<br />
Strauße haben tatsächlich </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penisse,</strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"> sogar recht stattlich ausgeprägte Kopulationsorgane. Penisbildungen kommen nur bei sehr wenigen Vögeln vor, und die gewaltigen fleischigen Organe dieser großen Laufvögel haben schon viele Leute in Erstaunen versetzt. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Bereits 1836 hatte Müller „diese erectilen Bestandteile“ der männlichen straussenartigen Vögel in den Abhandlungen d<a title="Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus dem Jahre 1836" href="http://books.google.de/books?id=yGEhAQAAMAAJ&amp;pg=PA159&amp;lpg=PA159&amp;dq=struthio+penis&amp;source=bl&amp;ots=Aq34tvyd6E&amp;sig=8Tr8o1Wji2moJmNGrojtirDc_ts&amp;hl=de&amp;ei=tTLZTtPuNozEtAbYnNyADA&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=7&amp;ved=0CF4Q6AEwBg#v=onepage&amp;q=struthio%20penis&amp;f=false" target="_blank">er </a></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin Aus dem Jahre 1836</em></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"> detailliert beschrieben (ab S. 137).<br />
Wohlgemerkt: Sehr detailliert.</span></p>
<p>Die Größe des Kopulationsorgans in Relation zum Magen und zum Gehirn läßt möglicherweise vermuten, dass Strauße eher zur Befriedigung der niederen Triebe neigen und sich die Zeit nicht mit Intelligenzspielen und Intrigen wie etwa Krähen vertreiben.<br />
Möglicherweise ist diese Betrachtung inklusive der Schlußfolgerung aber auch zu anthropozentrisch.<br />
Unwissenschaftlich ist sie allemal.</p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Bettina Wurche</em></span></p>
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		<title>Sammlungswelten – Anatomie für Neugierige und Connaisseure</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2011/11/27/sammlungswelten-%e2%80%93-anatomie-fur-neugierige-und-connaisseure/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 17:46:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
		<category><![CDATA[Senckenberg-Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Ausstellung von anatomischen Feuchtpräparaten und Gewebeschnitten (Histologischen Schnitten) über Konservierungmethoden und Anatomie ist eine Rarität in den naturkundlichen Museen. Feuchtpräparate – also in konservierende Flüssigkeiten eingelegte Tiere und Pflanzen – sind zwar ein großer und wichtiger Teil jeder wissenschaftlichen naturkundlichen Sammlung, fristen aber normalerweise ein Aschenputteldasein, verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit. In diesem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Eine Ausstellung von anatomischen Feuchtpräparaten und Gewebeschnitten (Histologischen Schnitten) über Konservierungmethoden und Anatomie ist eine Rarität in den naturkundlichen Museen.<br />
Feuchtpräparate – also in konservierende Flüssigkeiten eingelegte Tiere und Pflanzen – sind zwar ein großer und wichtiger Teil jeder wissenschaftlichen naturkundlichen Sammlung, fristen aber normalerweise ein Aschenputteldasein, verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">In diesem Jahr bekam ich durch meine Mitarbeit an der Anatomie-Ausstellung “</span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Sammlungswelten“ </strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">im Senckenberg-Museum mal wieder die Gelegenheit, in diesen Feuchtpräparate-Sammlungen zu stöbern, die spannenden Geschichten hinter den Objekten herauszufinden und in einer Ausstellung zu verarbeiten.<span id="more-225"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Gestern, am 24.11. ist die kleine, aber feine Ausstellung eröffnet worden – und ich finde nun endlich die Zeit, dazu ein paar Blogbeiträge zu schreiben.<br />
Denn Geschichten gibt es genug zu erzählen&#8230;Jedes einzelne Präparat ist ein Unikat!</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Frankfurter Rundschau hat zur Eröffnung den sehr lesenswerten Beitrag <a title="FR: Ausstellung im Senckebegr: Glieder im Glas" href="http://www.fr-online.de/frankfurt/ausstellung-im-senckenberg--glieder-im-glas,1472798,11214274.html" target="_blank"><strong>&#8220;Ausstellung im Senckenberg: Glieder im Glas&#8221;</strong></a> gebracht, neben gutem Text und schönen Bildern mit einem Interview mit mir.<br />
</span><br />
D<span style="font-family: Arial,sans-serif;">ie Präparate in ihren gläsernen Behältnissen werden im Mobiliar einer alten Apotheke präsentiert, dadurch erinnert die Ausstellung an die alten Wunderkammern und Raritätenkabinette.</span></p>
<h4> <span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wunderkammern – zum Staunen und Angeben<br />
</strong></span></h4>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">In den Wunderkammern vergangener Jahrhunderte wurden die Anfänge der heutigen Museen gelegt: naturkundliche, völkerkundliche, archäologische und sonstwie interessante oder kostbare Objekte und Artefakte wurden ziellos gesammelt und ausgestellt: Mumien neben ausgestopften Krokodilen, Mineralien neben Narwalzähnen, exotische Skulpturen neben kostbarem Schmuck.<br />
Sie zeigten ungewöhnliche Dinge, die Kuriosiät blieb Selbstzweck und sollte den Ruhm des Besitzers steigern: Wer Kuriosiäten sammelte, mußte reich und weltgewandt sein. Fürsten, wohlhabende Gelehrte und reiche Angeber schmückten sich mit den exotischen Kuriositäten.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Im 19. Jahrhundert begann der Aufstieg der heutigen Wissenschaftszweige und das systematische wissenschaftliche Arbeiten (s. auch „Jules Verne und die Entdeckung der Meeresforschung“) . Aus den unsortierten “Ansammlungen“ der Wunderkammern wurden allmählich wissenschaftliche Sammlungen, die systematisch gesammelt und erforscht wurden – echte Sammlungen im heutigen Sinn.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Moderne Museen unterscheiden deutlich zwischen wissenschaftlichen und Schausammlungen. Die Aufgaben eines modernen Museums sind: Sammeln-Forschen-Bewahren-Vermitteln.</span></p>
<h4><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wie funktioniert eine Wissenschaftliche Sammlung?</strong></span></h4>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Jedes Objekt wird katalogisiert: Bezeichnung, Herkunft, Sa</span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;">mml</span></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">er/Vorbesitzer und viele andere Informationen werden sorgfältig aufgenommen. Die Präparate einer wissenschaftlichen Sammlung werden heute nicht mehr in den Sammlungsbüchern – dicken Folianten – geführt, sondern digital erfaßt. Dadurch sind wissenschaftliche Sammlungen weltweit abrufbar für andere Wissenschaftler.<br />
Die Sammlungsbestände sind sorgfältig sortiert: nach der systematischen Ordnung der Tiergruppen (Löwen und Tiger nebeneinander, weit weg davon Korallen und Bärtierchen) und nach ihrer Aufbewahrungsform. Knochen, Feuchtpräparate und Felle haben natürlich unterschiedliche Anforderungen für die sachgerechte Lagerung. Also: Löwen- und Tigerfell in der mottensicheren Fellkammer, Löwen- und Tigerschädel an anderem Ort und Löwenherzen und Tigerlebern im speziell belüfteten Alkoholtrakt.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Diese Sammlungen müssen regelmäßig betreut werden: Vom Nachfüllen von Alkohol bis zur Überprüfung auf Schädlingsbefall. Pelzkäfer in der Säugetiersammlung schrecken einen Museumsmitarbeiter mehr als Motten im Lieblings-Kaschmir-Pullover!<br />
Diese Sammlungen sind die Archive der Natur und der Schatz der Museen. Wissenschaftler greifen für ihre Forschungen auf diese Archive zurück: Entweder gehen die Präparate auf Reisen oder der Wissenschaftler kommt vorbei. So werden auch alte Stücke immer mal wieder unter neuen Gesichtspunkten bearbeitet und ihre Eigenschaften und Erkenntnisse publiziert.<br />
Besucher haben in der Regel keinen Zutritt.<br />
Wissenschaftliche Sammlungen sind Orte der Stille … und des Staubs. </span></p>
<h4> <span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Schausammlungen</strong></span></h4>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Eine Schausammlung ist das Schaufenster der Wissenschaft für die Öffentlichkeit.<br />
Hier werden meist selbst erklärende Eyecatcher ausgestellt: Um zu erkennen, wo bei einem Elefantenskelett vorn und hinten ist, muss niemand Zoologie studiert haben. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Skelette und Dermoplastiken (früher nannte man das „ausgestopft“) stehen in Reih und Glied, dazwischen räkeln sich Modelle, manchmal gibt es sogar noch lehrreich gemeinte Informationen über Texttafeln oder Monitore. Ein anständiges Schau-Präparat ist möglichst vollständig und ordentlich beschriftet.<br />
In den Schausammlungen sind große und spektakuläre Objekte überrepräsentiert, die kleinen scheinbar unscheinbaren sucht man oft vergeblich. Wie könnte auch ein in Alkohol eingelegtes Bärtierchen neben einem </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>T. rex</em></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">-Skelett bestehen? Die meisten Leute würde es glatt übersehen, denn bei aller Anstrengung kann es sein Maul bei Weitem nicht so weit wie Gevatter Dinosaurus aufreißen. Erst der Blick durch ein Mikroskop würde die Knuffigkeit dieses kleinen Wesens zeigen: Bärtierchen sehen aus wie Gummibärchen mit einem Beinpaar zu viel. Dabei sind die zarten Organismen hart im Nehmen und z. B. sehr erfolgreiche Astronauten.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Auch die inneren Organe von Tieren sind in Schausammlungen selten zu sehen: Das blanke Skelett eines Tieres ist sauber und pflegeleicht. Seine Organsysteme hingegen sind durch die Konservierungsflüssigkeiten oft grau-rosa verfärbt und scheinen für viele Besucher weniger ästhetisch zu sein.<br />
Dabei können diese Präparate wunderbare Geschichten erzählen&#8230;</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">In der kleinen feinen Anatomie-Ausstellung </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>„Sammlungswelten – konserviert für die Ewigkeit“ </strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">sind nun über 300 sorgfältig ausgewählte Feucht-Präparate von Wirbeltieren aus den wissenschaftlichen Sammlungen für die neugierigen Augen des Publikums aus ihrem Donröschenschlaf erweckt worden – eine Ausstellung für Neugierige und Anatomie-Conaisseure!</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Bettina Wurche</em></span></p>
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		<title>Groß-Pampau: Wal!</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 09:14:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Fossile Wale]]></category>
		<category><![CDATA[Groß-Pampau]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
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		<category><![CDATA[Bartenwal]]></category>
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		<description><![CDATA[1968 wurden knapp über der Tonschicht “Kanonenkugeln“ gefunden: runde Objekte mit sehr fester Oberfläche. Beim Öffnen dieser „Kanonenkugeln“ kamen große Wirbel zum Vorschein: sie gehörten zu einem großen fossilen Wal. 1984 kam dann der Sensationsfund: Nach den ersten Einzelfunden wurde dem erfahrenen Geschiebesammler Gerd Höpfner klar: hier lag der größere Teile eines Bartenwals! Die Bergung [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">1968 wurden knapp über der Tonschicht “Kanonenkugeln“ gefunden: runde Objekte mit sehr fester Oberfläche. Beim Öffnen dieser „Kanonenkugeln“ kamen große Wirbel zum Vorschein: sie gehörten zu einem großen fossilen Wal.<span id="more-125"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">1984 kam dann der Sensationsfund: Nach den ersten Einzelfunden wurde dem erfahrenen Geschiebesammler Gerd Höpfner klar: hier lag der größere Teile eines Bartenwals!<br />
Die Bergung des mehr als 10 m großen Fossils war eine komplexe Aufgabe: neben der schieren Größe des Fossils waren die Knochen außerordentlich empfindlich und mussten gleichzeitig auch noch mit Nachtwachen gegen Raubgräber geschützt werden.<br />
Die Bergung erfolgte ehrenamtlich, in mehrmonatiger Arbeit wurde das gesamte Skelett freigelegt. Die oberflächennah abgelagerten Knochen waren durch Sickerwässer weitgehend entkalkt worden und waren sehr zerbrechlich. Sie mussten vor der Bergung an Ort und Stelle mit flüssigem Kunstharz stabilisiert, einige Blöcke wurden im Ganzen stabilisiert und dann abtransportiert.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Knochen des Wals lagen zwar noch relativ vollständig und eng beieinander, aber das Fossil war durch die darüber liegenden bis zu 1000 m dicken Gletscher bei deren Scherbewegungen zerrissen worden. Dadurch waren die Knochen teilweise zersplittert, die Partikel mußten zusammen gesucht werden.<br />
Die Fossilien wurden durch ehrenamtlich tätige Menschen wie Herrn Höpfner und den Kiesgrubenbesitzer Herrn Ohle für die Nachwelt gerettet!<br />
Die Zusammenarbeit des Museums für Natur und Umwelt in Lübeck mit den Privatpersonen hat dazu geführt, dass die kostbaren fossilen Wale aus Groß-Pampau heute im Museum von allen Menschen bestaunt werden können.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">bw<br />
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