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	<title>meertext &#187; Museum</title>
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	<description>Navigation im Meer der Worte</description>
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		<title>Der Bahamonde-Schnabelwal – ein mysteriöses Phantom aus der Tiefsee?</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2012/11/06/der-bahamonde-schnabelwal-%e2%80%93-ein-mysterioses-phantom-aus-der-tiefsee/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Nov 2012 12:51:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Schnabelwale]]></category>
		<category><![CDATA[Wale]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
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		<description><![CDATA[“Phantom der Tiefsee: Mysteriöser Wal aufgetaucht“ vermeldet SPON am 05.11.2012. Und Focus schreibt: „Sensationelle Entdeckung: Forscher enttarnen seltensten Wal der Welt&#8220;. Ein Blick auf das abgebildete Photo sagt mir deutlich mehr: Es geht um die Strandung eines Zweizahnwals. Das Tier gehört auf jeden Fall zur Gattung „Mesoplodon“, von denen es weltweit 14 Arten gab (und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a title="SPON: Phantom der Tiefsee: Mysteriöser Wal aufgetaucht" href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schnabelwale-im-pazifik-seltener-wal-in-neuseeland-erstmals-gesichtet-a-865309.html" target="_blank">“Phantom der Tiefsee: Mysteriöser Wal aufgetaucht“</a> vermeldet SPON am 05.11.2012.<br />
Und Focus schreibt: „<a title="Focus: Forscher enttarnen seltensten Wal der Welt" href="http://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/nach-dna-analyse-forscher-enttarnen-seltensten-wal-der-welt_aid_853520.html" target="_blank">Sensationelle Entdeckung: Forscher enttarnen seltensten Wal der Welt</a>&#8220;.</p>
<p>Ein Blick auf das abgebildete Photo sagt mir deutlich mehr: Es geht um die Strandung eines Zweizahnwals.<br />
Das Tier gehört auf jeden Fall zur Gattung „<em>Mesoplodon</em>“, von denen es weltweit 14 Arten gab (und nicht 21).</p>
<p>Die Tiere leben natürlich nicht in der Tiefsee, sondern in der Hochsee. Alle bisher untersuchten Schnabelwale tauchen zwar ähnlich tief wie Pottwale und jagen in tiefen Wasserschichten Fische und Tintenfische. Darum ist auch für <em>Mesoplodon traversii</em> anzunehmen, dass er weit unter 1000 Meter tief taucht. Aber damit ist er natürlich kein Tiefsee-Bewohner, sondern klopft dort höchstens gelegentlich an die Tür.</p>
<p>Dass diese beiden Tiere so schwierig zuzuordnen waren, ist nicht erstaunlich. Zweizahnwale sind erstens wenig bekannt und zweitens sehr schwierig zu bestimmen. Lesen Sie dazu auch den meertext-Beitrag „<strong><a title="Geheimnisvolle Schnabelwale - von Entenwalen und Zweizahnwalen" href="http://blog.meertext.eu/2012/11/06/geheimnisvolle-schnabelwale-%E2%80%93-von-entenwalen-und-zweizahnwalen/" target="_blank">Geheimnisvolle Schnabelwale – von Entenwalen und Zweizahnwalen</a>“</strong>.<span id="more-319"></span></p>
<p>Viele <em>Mesoplodon</em>-Arten sehen sich äußerlich teilweise zum Verwechseln ähnlich. Das wichtigste und offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal sind die beiden Zähne im Unterkiefer, die nur bei erwachsenen Männchen durchbrechen. Bei Weibchen und Jungtieren bleiben die Zähne im Zahnfleisch verborgen.<br />
Abgesehen von den Zähnen kann die Artzugehörigkeit dieser Wale nur von erfahrenen Spezialisten über kleine Details des Schädels bestimmt werden. Da hier ein Weibchen und Jungtier gestrandet waren, ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass die Identifizierung so kompliziert war und die Tiere zunächst als Camperdown-Wal (<em>Mesoplodon grayi</em> bestimmt wurden.<br />
Neben der Schädelanalyse kann die Art auch über eine DNA-Analyse bestimmt werden. Wie es im vorgesehen Fall ja auch geschehen ist.</p>
<p><strong>Die wilde Entdeckungsgeschichte des Bahamonde-Zweizahnwals<br />
<em>Mesoplodon traversii</em></strong> hat eine wilde Entdeckungsgeschichte hinter sich:<br />
1873 fand James Hector auf <a title="Pitt Island" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pitt_Island">Pitt Island</a> (<a title="New Zealand" href="http://en.wikipedia.org/wiki/New_Zealand">Neuseeland</a>) einen Unterkiefer, den er in Wort und Bild dokumentierte. Im darauf folgenden Jahr publizierte John Edward Gray die wissenschaftliche Beschreibung des Kiefers und benannte ihn nach Henry Hammersley Travers: <em>M. traversii. </em>(Nach Hector ist übrigens auch der Schnabelwal <em>Mesoplodon hectori</em> benannt worden, aber das ist eine andere Geschichte).<br />
Um 1950 wurde dann auf White Island (Neuseeland) noch ein Schädel ohne Unterkiefer (= Calvarium) gefunden, der später dem Gingko-Zweizahnwal (<em>M. gingkodens</em>) zugeordnet wurde.<br />
1986 wurde ein beschädigter Schädel ohne Unterkiefer in Chile auf Robinson Crusoe Island angespült und von van Helden und Kollegen als neue Art beschrieben: <em>Mesoplodon bahamondi</em> &#8211; Bahamonde&#8217;s Zweizahnwal.<sup><br />
</sup>In diesem Fall wurde allerdings wenig später klar: Der Schädel gehörte gar nicht zu einer neu entdeckten Art, sondern zu dem schon 1874 beschrieben Tier. Darum war der Name <em>M. bahamondi</em> ungültig und <em>M. traversii</em> gültig. So schreiben es die Regeln der internationalen Nomenklaturkommission vor. Van Helden und Kollegen schrieben also eine Gegendarstellung.</p>
<p>Im Dezember 2010 strandeten zwei Schnabelwale am Strand von Opape, Bay of Plenty, Neuseeland. Sie wurden zunächst als Gray´s Schnabelwal (<em>Mesoplodon grayi</em>) einsortiert.<br />
Erst durch die genetische Analyse aller drei Funde wurde klar, dass sie alle zur gleichen Art gehören. Insgesamt drei Funde sind für eine Walart schon extrem selten, darum titulierten Thompson und Kollegen <em>M. traversii</em> in ihrer jetzt erschienen Publikation als den seltensten Wal der Welt (Thompson, K. et al. 2012: The world’s rarest whale. Current biology, 22(21): R905–R906. <a title="Digital object identifier" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Digital_object_identifier">doi</a>:<a href="http://dx.doi.org/10.1016%2Fj.cub.2012.08.055">10.1016/j.cub.2012.08.055</a>)<br />
Ganz schön viel Aufregung für einen so kleinen, stillen Wal.</p>
<p><strong>Entdeckungen im Museum<br />
</strong>Es kommt auch heute noch regelmäßig vor, dass neue Wale (und andere Tiere) entdeckt werden, gerade Museumsammlungen sind dafür prädestiniert.<br />
Die Erklärung ist einfach: Erst in einer Sammlung können Schädel durch exakte Vermessungen und Vergleiche mit anderen Schädeln wissenschaftlich bearbeitet werden bzw. können hier DNA-Analysen durchgeführt werden. Und für die wissenschaftliche Bearbeitung benötigt es einen Anfangsverdacht, ein Forschungsprojekt und die entsprechenden Spezialisten.</p>
<p>Ich hatte schon vor einiger Zeit über eine neue <a title="meertext: Who is who der Zwergwale" href="http://blog.meertext.eu/2011/07/15/who-is-who-der-zwergwale/" target="_blank">Zwergwalart </a>und eine neue <a title="Neue Delphinart vor Australien entdeckt" href="http://blog.meertext.eu/2011/09/23/neue-delphin-art-vor-australien-entdeckt/" target="_blank">Delphinart</a> berichtet.<br />
Nicht-Zoologen mag es übertrieben erscheinen, so viel Aufwand zu betreiben, um Wale hin- und herzusortieren. Aber diese Artzugehörigkeiten erzählen den Wissenschaftlern wichtige Details über Evolution, Verbreitung und andere intime Details aus dem Leben der Wale.<br />
Zwei Arten nicht sauber auseinander zu halten, ist für einen Zoologen genauso schlimm, wie zusammen geworfene Äpfel und Birnen für einen Obsthändler.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>L. van Helden, A. N. Baker, M. L. Dalebout, J. C. Reyes, K. Van Waerebeek, C. S. Baker: Resurrection of <em>Mesoplodon traversii</em> (Gray, 1874), senior synonym of <em>M. bahamondi</em></p>
<p>Reyes, Van Waerebeek, Cardenas and Yanez, 1995 (Cetacea: Ziphiidae). In: <a title="Marine Mammal Science" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marine_Mammal_Science">Marine Mammal Science</a>. 18, Nr. 3, Juli 2002, S. 609–621. <a title="Digital Object Identifier" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier">doi</a>:<a href="http://dx.doi.org/10.1111%2Fj.1748-7692.2002.tb01062.x">10.1111/j.1748-7692.2002.tb01062.x</a>.</p>
<p>Perrin, William F.; Wursig, Bernd &amp; Thewissen, J.G.M (eds.) (2002): Encyclopedia of Marine Mammals. Academic Press. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Special:BookSources/0125513402">ISBN 0-12-551340-2</a></p>
<p>Reeves, Randall R. &amp; Leatherwood, S. (1994): Dolphins, porpoises and whales: 1994-98 Action plan for the conservation of cetaceans. <a title="IUCN" href="http://en.wikipedia.org/wiki/IUCN">IUCN</a>, Gland, Switzerland. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Special:BookSources/2831701899">ISBN 2-8317-0189-9</a></p>
<p>Thompson, K. et al. 2012: The world’s rarest whale. Current biology, 22(21): R905–R906. <a title="Digital object identifier" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Digital_object_identifier">doi</a>:<a href="http://dx.doi.org/10.1016%2Fj.cub.2012.08.055">10.1016/j.cub.2012.08.055</a></p>
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		<title>Geheimnisvolle Schnabelwale – von Entenwalen und Zweizahnwalen</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Nov 2012 12:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meeresforschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Schnabelwale sind mittelgroße Zahnwale, von denen die meisten Menschen noch nie gehört haben. Die Tiere sind zwar nicht sehr klein, sondern zwischen 3,5 und über 12 Metern groß, aber sie leben meistens im offenen Meer, weit vor den Küsten. Nach meinen eigenen Erfahrungen während eines Wal-Surveys in der Antarktis 1996/97 meiden viele Arten den Kontakt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Schnabelwale sind mittelgroße Zahnwale, von denen die meisten Menschen noch nie gehört haben.<br />
Die Tiere sind zwar nicht sehr klein, sondern zwischen 3,5 und über 12 Metern groß, aber sie leben meistens im offenen Meer, weit vor den Küsten. Nach meinen eigenen Erfahrungen während eines Wal-Surveys in der Antarktis 1996/97 meiden viele Arten den Kontakt mit Menschen und tauchen vorher ab. Darum werden sie selten gesichtet. Auf den ersten Blick sehen die meisten von ihnen mit ihren langgezogenen Schnabel für Laien aus wie zu groß geratene Delphine. Auch das ist nicht hilfreich bei ihrer Identifikation.</p>
<p>Um 1990 waren sie die am wenigsten bekannte Familie der Wale. Mit ihrer wenig erforschten Lebensweise und ihren seltsam geformten Köpfen, die ganz anders aussehen, als alle anderen Wale, haben sie mich auf den ersten Blick fasziniert: Ich schrieb meine Diplomarbeit über zwei dieser Arten aus dem Nordatlantik.</p>
<p>Während der Arbeit hatte ich mir einen dieser außergewöhnlichen Schädel auf den Schreibtisch gestellt und an ihm ein neues Messverfahren entwickelt und erprobt. Es war ein noch nicht ausgewachsener Nördlicher Entenwal (<em>Hyperoodon ampullatus</em>). Seinen Schädel habe ich in – und auswendig studiert: Etwa 1,30 Meter lang mit hoch aufgewölbtem Hirnschädel und hohen seitlichen Kämmen (Maxillarkämmen) auf dem Oberkiefer:<br />
Der Donald Duck unter den Walen!<span id="more-317"></span></p>
<p>Ich habe Tage gebraucht, bis ich den Schädel verstanden hatte.<br />
Mit voller Kraft konnte ich den Schädel des Jungtiers gerade eben allein heben &#8211; und meinen kleinen Liebling in den Armen halten.</p>
<p>Schädel von Nördlichen Entenwalen war immerhin in einigen zoologischen Museen und Instituten in Deutschland und Holland zu finden, er ist nicht so selten und strandet ab und an auch an der deutschen Nordseeküste. Früher wurde er sogar kommerziell bejagt, auch aus dieser Zeit sind Schädel erhalten, mit den charakteristischen Messerspuren vom „Abflensen“.</p>
<p><strong>Auf der staubigen Suche nach dem Zweizahnwal</strong><br />
„Meine“ zweite Walart war in Deutschland wesentlich schwieriger zu finden: Der Sowerby-Zweizahnwal, <em>Mesoplodon bidens</em>.<br />
In Deutschland waren nur zwei Exemplaren aufzutreiben.<br />
Die Gattung <em>Mesoplodon</em> ist wesentlich kleiner als ein Entenwal (<em>Hyperoodon</em>), die Tiere werden nur zwischen 3,5 und 6 Meter groß. Die anderen Schnabelgattungen sind meist nur in ein oder zwei Arten aufgespalten.<br />
Die Zweizahnwale &#8211; <em>Mesoplodon</em> &#8211; ist mit 14 Arten die große Ausnahme. Diese Artenvielzahl wird unter Wissenschaftlern diskutiert, aber nicht wirklich verstanden. Manchmal kommen mehrere Arten im gleichen Seegebiet vor. Und da beginnt die Sache, wirklich kompliziert zu werden…<br />
Leider sehen sie sich alle ziemlich ähnlich.</p>
<p><em>Mesoplodon</em> ist zwar ein Zahnwal, de facto haben aber nur ausgewachsene Männchen zwei sichtbare Zähne im Unterkiefer. Die Bezahnung ist artspezifisch und absolut abgefahren: Bei manchen Arten wachsen zwei Hauer aus dem Unterkiefer über dem Oberkiefer zusammen.</p>
<p>Die Zähne der erwachsenen Männchen sind das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Zweizahnwal-Arten. Leider bleiben bei Jungtieren und Weibchen diese Zähne im Gaumen verborgen.<br />
Um die Tiere sicher zu identifizieren, muss man also „nur“ einem erwachsenen Männchen ins Maul schauen. Bei einem vorbeischwimmenden Wal ist das eine gewaltige Herausforderung – nur Flipper zeigte freiwillig ein photogenes Grinsen.</p>
<p><strong>Neue Walart auf dem Fischmarkt</strong><br />
Sie leben meistens in kleinen Gruppen im offenen Ozean und sind durch ihr eher unauffälliges Verhalten auf See schwer zu entdecken. Die lebenden Tiere und die Schädel können nur von Fachleuten identifiziert werden.<br />
Das hat dazu geführt, dass gleich drei <em>Mesoplodon</em>-Arten erst in den letzten drei Jahrzehnten „entdeckt“ worden sind: In Museumssammlungen und auf Fischmärkten:</p>
<p>In neuerer Zeit können diese seltenen Tiere durch die umfassende und hervorragende Forschungsarbeit von Merel Dalebout auch über DNA-Analysen zugeordnet werden:<br />
1991 wurde der <a title="Peruanischer Schnabelwal" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peruanischer_Schnabelwal">Peruanische Schnabelwal</a> (<em>M. peruvianus</em>) beschrieben.<br />
2002 hatte der <a title="Perrin-Schnabelwal" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Perrin-Schnabelwal">Perrin-Schnabelwal</a> (<em>M. perrini</em>) sein wissenschaftliches Debut.<br />
Und nun macht der der <a title="Bahamonde-Schnabelwal" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bahamonde-Schnabelwal">Bahamonde-Schnabelwal</a> (<em>M. traversii</em>) Schlagzeilen…(lesen Sie dazu auch den meertext-Beitrag: <a title="Der Bahamonde-Schnabelwal - ein mysteriöses Phantom aus der Tiefsee" href="http://blog.meertext.eu/2012/11/06/der-bahamonde-schnabelwal-%E2%80%93-ein-mysterioses-phantom-aus-der-tiefsee/" target="_blank">„<strong>Der Bahamonde-Schnabelwal – ein mysteriöses Phantom aus der Tiefsee?</strong>“)</a>.</p>
<p>Dabei sind diese Tiere wirklich gar nicht so klein.<br />
Und es ist auch nicht so, dass sie vorher nicht da waren.<br />
Es hat bloß keiner richtig hingeguckt.<br />
Schnabelwale sind immer wieder für Überraschungen gut, gerade in den ungeheuren Weiten des pazifischen Ozeans.<br />
Vielleicht findet Merel ja noch ein paar neue Arten?<br />
Für mich als Zoologin ist das ein gutes Gefühl: Es gibt immer noch etwas zu entdecken!</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>Merel L. Dalebout, James G. Mead, C. Scott Baker, Alan N. Baker, &amp; Anton L. van Helden (2002): A New Species of Beaked Whale, <em>Mesoplodon perrini</em> sp. n. (Cetacea: Ziphiidae), Discovered Through Phylogenic Analysis of Mitochondrial DNA Sequences. <a title="Marine Mammal Science" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marine_Mammal_Science">Marine Mammal Science</a> 18 (3): 577-608. <a title="Digital Object Identifier" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier">doi</a>:<a href="http://dx.doi.org/10.1111%2Fj.1748-7692.2002.tb01061.x">10.1111/j.1748-7692.2002.tb01061.x</a> <a href="http://whitelab.biology.dal.ca/md/Dalebout_2003_Mperrini.pdf">vollständiges PDF</a></p>
<p>A. L. van Helden, A. N. Baker, M. L. Dalebout, J. C. Reyes, K. Van Waerebeek, C. S. Baker: <em>Resurrection of Mesoplodon traversii (Gray, 1874), senior synonym of M. bahamondi Reyes, Van Waerebeek, Cardenas and Yanez, 1995 (Cetacea: Ziphiidae)</em>, In: <a title="Marine Mammal Science" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marine_Mammal_Science">Marine Mammal Science</a>, 18(3):609–621 (July 2002)</p>
<p>Taylor, B.L., Baird, R., Barlow, J., Dawson, S.M., Ford, J., Mead, J.G., Notarbartolo di Sciara, G., Wade, P. &amp; Pitman, R.L. 2008. <em>Mesoplodon peruvianus</em>. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.2. &lt;<a href="http://www.iucnredlist.org">www.iucnredlist.org</a>&gt;. Downloaded on <strong>05 November 2012</strong>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sammlungswelten: Axolotl – ein Molch zwischen Jugendwahn und Roadkill</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 17:57:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
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		<description><![CDATA[In einer Vitrine der Ausstellung &#8220;Sammlungswelten&#8221; sind einige Ausnahme-Tiere und Raritäten zu sehen, die Meilensteine der Biologie sind und die jeder Biologe persönlich kennt. Der Axolotl ist einer davon. Der Axolotl ist ein mexikanischer Schwanzlurch. Er trägt an beiden Seiten des Kopfes drei äußere Kiemenäste, dahinter liegen die Kiemenspalten. Der Axolotl hat als erwachsenes Tier [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In einer Vitrine der Ausstellung &#8220;Sammlungswelten&#8221; sind einige Ausnahme-Tiere und Raritäten zu sehen, die Meilensteine der Biologie sind und die jeder Biologe persönlich kennt. Der Axolotl ist einer davon.<em></em><strong><em><br />
</em></strong>Der Axolotl ist ein mexikanischer Schwanzlurch. Er trägt an beiden Seiten des Kopfes drei äußere Kiemenäste, dahinter liegen die Kiemenspalten. Der <em>Axolotl</em> hat als erwachsenes Tier Kiemen und Lungen. Dadurch kann er sowohl im Wasser als auch an der Luft atmen &#8211; ein atemtechnischer Tausendsassa!</p>
<p><strong>Für immer jung</strong><strong><em>: Axolotl (</em></strong><strong><em>Siredon mexicanum </em></strong><strong>(1890))</strong><br />
Normalerweise leben Amphibienlarven im Wasser und atmen über Kiemen, nach der Metamorphose atmen sie dann über Lungen und können das Wasser verlassen.<br />
Der Axolotl und einige andere Molche durchlaufen keine Metamorphose, sondern erreichen die Geschlechtsreife im Kiemen tragenden Larvenstadium. Der Grund für das Ausbleiben der Metamorphose ist ein Schilddrüsendefekt: Die Ausschüttung von Wachstumshormonen bleibt aus.<br />
Das Erreichen der Geschlechtsreife im Larvalstadium heißt <strong>Neotenie</strong>.</p>
<p>Wenn sich die Lebensumstände eines Axolotl verschlechtern, etwa durch eine zu starke Erwärmung des Wohngewässers, kann es dann trotzdem noch zur Metamorphose kommen: die äußeren Kiemen entwickeln sich dann zurück. Die Tiere können dann das unkomfortabel oder lebensbedrohlich gewordene Wohngewässer verlassen und, wie jeder andere erwachsene Molch auch, an Land leben.<span id="more-250"></span><br />
Wilde Axolotl leben nur in einigen mexikanischen Seen, aufgrund der Wasserverschmutzung und Trockenlegung von Feuchtgebieten sind sie vom Aussterben bedroht.<br />
Ihr Name bedeutet in der aztekischen Sprache Nahuatl etwa „Wassermonstrum“.</p>
<p>Neben der ungewöhnlichen Eigenschaft der Neotenie haben Axolotl auch außergewöhnliche Fähigkeiten zur <strong>Regeneration</strong>: Gliedmaßen, Organe und sogar Teile des Gehirns und Herzens können nach Verlust oder Beschädigung  nachwachsen.</p>
<p><strong><em> </em>Der Axolotl als Kultfigur und Haustier</strong><br />
Axolotl haben spätestens durch das Buch von Helene Hegemann „<em>Axolotl Roadkill</em>“ Kultstatus erreicht und wohnen seitdem in noch mehr deutschen Haushalten als Haustier. Das exotische amphibische Haustier hat spezifische gesundheitliche Probleme, mit denen Tierärzte oftmals überfordert sind. Der Berliner Tierarzt Frank Mutschmann, ein Amphibien- und Reptilien-Spezialist, hat deshalb einen <a title="Axolotl-App für Tierärzte" href="http://itunes.apple.com/us/app/id441899997?mt=8" target="_blank">Axolotl-App für Tierärzte</a> entwickelt, um die Gesundheitsfürsorge der außergewöhnlichen Molche auch in deutschen Wohnzimmern sicher zu stellen.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sammlungswelten: Zungen – in aller Munde</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2012/01/08/sammlungswelten-zungen-%e2%80%93-in-aller-munde/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 10:50:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Senckenberg-Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[In dem Ausstellungsabschnitt zu den Organsystemen der Wirbeltiere war natürlich auch das Verdauungssystem ein Thema (s. auch : „Sammlungswelten: Verdauung von Z(-unge) bis A(-nus). Beim Stöbern im Tiefspeicher fiel uns die sehr umfangreiche Zungen-Sammlung auf: Das sensible Mundorgan war in allen Größen und Formen vertreten. Schnell wurde klar: Davon müssen wir möglichst viele zeigen. Die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In dem Ausstellungsabschnitt zu den Organsystemen der Wirbeltiere war natürlich auch das Verdauungssystem ein Thema (s. auch : <strong>„</strong><strong>Sammlungswelten: Verdauung von Z(-unge) bis A(-nus)</strong>. Beim Stöbern im Tiefspeicher fiel uns die sehr umfangreiche Zungen-Sammlung auf: Das sensible Mundorgan war in allen Größen und Formen vertreten.<br />
Schnell wurde klar: Davon müssen wir möglichst viele zeigen.</p>
<p><strong></strong>Die Zunge ist sowohl ein Sinnesorgan als auch der Beginn des Verdauungstraktes. Viele Tiere überprüfen mit diesem Sinnesorgan am Anfang des Verdauungstraktes, ob etwas für sie genießbar ist. Außerdem lenkt dieses Mundorgan die Nahrung und kontrolliert den Zerkleinerungsprozess. Und bei Reptilien dient es sogar als Ortungsorgan.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Schlangen</span></strong> züngeln mit geschlossenem Maul. Durch eine Spalte im Oberkiefer ragt die Zunge auch bei geschlossenem Maul heraus. Die Zunge nimmt Geruchspartikel auf. Durch die gespaltene Zunge kann die Schlange sich mit dieser Geruchsinformation räumlich orientieren und die Richtung einer Geruchsquelle identifizieren. In der Ausstellung sind die Zungen von Puffotter (<em>Bitis arietans) </em>und Abgottschlange (<em>Boa constrictor) </em>zu sehen.<span id="more-240"></span><br />
Der Komodowaran hat, wie Schlangen, eine lange dünne, gespaltene Zunge, aber viel größer. Ein Komodowaran wird bis zu 3 Meter lang und 70 kg schwer, er trägt seinen Namen „Komododrache“ zu Recht. Darum steht ihm auch eine sehr große Zunge zu.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Vogelzungen</span></strong> sind generell stabiler und weniger flexibel als Säugetierzungen. Sie sind meist flach und dreieckig geformt.<br />
Einige Vögel haben spezielle Zungenformen entwickelt, die oft beim Nahrungserwerb eingesetzt werden:<br />
<strong>Pinguin- und Flamingozungen</strong> sind mit vielen scharfen Keratin-Haken besetzt. Die Haken sind nach hinten gerichtet und helfen, die glitschige Nahrung wie Fische festzuhalten.<br />
<strong>Papageien und Sittiche</strong> haben dicke, kurze Zungen. Damit können sie ihr Futter- Früchte und Nüsse &#8211; manipulieren. Die mit Sinneszellen besetzte Zunge wird zum Schmecken und Betasten unbekannter Objekte und potentieller Nahrung eingesetzt.<br />
Der australische <strong>Lärmlederkopf </strong>(<em>Philemon corniculatus</em>) aus der Familie der Honigfresser ernährt sich vor allem von Blütennektar. Die röhrenförmige Zunge funktioniert dabei wie ein Strohhalm, um den Nektar aufzusaugen.<br />
Manche Piepmätze haben also einen ganzen Werkzeugkasten im Schnabel.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Säugetiere</span></strong> haben meistens dicke, fleischige Zungen.<br />
Die <strong>Giraffe </strong>pflückt mit ihrer bis zu 50 cm (!) langen Greifzunge Blätter in den Baumkronen. Diese Giraffenzunge ist so lang, dass sie im Glas aufgerollt werden musste.<br />
Der <strong>Ameisenbär</strong> hat eine in Relation zu seinem Körper ungeheuer lange und auch noch klebrige Zunge. Damit kann er tief in Termiten- und Ameisenbauten hinein reichen und die Insekten auflecken. Die Zunge kann in eine lange Scheide am Brustbein zurückgezogen werden &#8211; ein Zungenfutteral! Das ausgestellte Ameisenbären-Skelett mit der erhaltenen Zunge, der entsprechenden Bindegewebs-Scheide und einer ungewöhnlichen Blaufärbung ist ein echter Hingucker. Ein Meisterwerk der Tierpräparation.</p>
<p><strong>Katzenzungen</strong> sind mit Papillen besetzt und darum sehr rau. Die zentralen Papillen tragen Dornen zum Kämmen des Felles oder zum Abschaben des Fleisches von Knochen. Die vorderen Papillen dienen der eigentlichen Geschmackswahrnehmung. Katzen können sauer, salzig und bitter schmecken, aber nicht süß.<br />
In der Ausstellung sind gleich drei Katzenspezies-Zungen zu sehen: Hauskatze (<em>Felis silvestris catus), </em>Jaguar (<em>Panthera onca) </em>und Löwe<em> (Panthera leo). </em>Jeder weiß, dass Hauskatzen raue Zungen haben. An der riesigen Löwenzunge wird die raue Oberfläche mit den Papillen dann auch mit bloßem Auge sichtbar. Davon möchte man doch lieber nicht abgeschleckt werden.</p>
<p>Eigentlich wollten wir noch die Schokoladen-Katzenzungen dazulegen, die exklusive Leckerei aus Kindertagen. Wir haben uns dann letztendlich doch dagegen entschieden. Vielleicht hätte es im Museum Mäuse angezogen…quietschfidele, „nicht ausgestopft“…</p>
<p><em> Bettina Wurche</em></p>
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		<title>Sammlungswelten: Verdauung von Z(-unge) bis A(-nus)</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 10:30:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Zoologie]]></category>
		<category><![CDATA[Senckenberg-Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Wale]]></category>

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		<description><![CDATA[In unserer kleinen Anatomie-Ausstellung darf natürlich auch der Verdauungstrakt nicht fehlen. Der Magen und Verdauungsapparat spiegeln den zunehmend höheren Energiebedarf in der Wirbeltierentwicklung besonders offensichtlich wieder. Mund und Pharnyx (= Kiemendarm) sind die Vorboten des Verdauungstraktes. Der Magen ist der Körperabschnitt, in dem die Nahrung verdaut wird. Er ist evolutionsgeschichtlich eine Aussackung des Kiemendarms. Ein [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer kleinen Anatomie-Ausstellung darf natürlich auch der Verdauungstrakt nicht fehlen. Der Magen und Verdauungsapparat spiegeln den zunehmend höheren Energiebedarf in der Wirbeltierentwicklung besonders offensichtlich wieder. Mund und Pharnyx (= Kiemendarm) sind die Vorboten des Verdauungstraktes. Der Magen ist der Körperabschnitt, in dem die Nahrung verdaut wird. Er ist evolutionsgeschichtlich eine Aussackung des Kiemendarms. Ein Magen kann, je nach Spezies, aus einem oder mehreren Abschnitten bestehen. An den Magen schließt sich der viele Meter lange Darmtrakt an. Der Anus schließt mit einer doppelten Muskelrosette die Darmöffnung ab.</p>
<p><strong> </strong>Die Feuchtpräparate-Sammlung umfasst Präparate aus allen Teilstücken der Verdauungstrakte von unterschiedlichsten Wirbeltieren. Unter <strong>Verdauungstrakt von Z wie Zunge bis A wie Anus </strong>haben wir einen kleinen Einblick in die Tiefen des Wirbeltier-Verdauungssystems zusammengestellt.</p>
<h4><strong>Verdauungstrakt von Z wie Zunge bis A wie Anus</strong></h4>
<p><strong>Zunge eines großen Krokodils (<em>Crocodylus, </em>wahrscheinlich Leistenkrokodil)</strong><br />
Die Zunge lenkt die Nahrung und kontrolliert den Zerkleinerungsprozess.<br />
Diese Krokodilzunge ist groß und muskulös. Die Zunge ist mit einem Stück der Kehle aus dem toten Tier geschnitten worden, so dass an dieser Stelle die typische gepanzerte Außenhaut der Panzerechse erkennbar ist.<br />
Ein ungewöhnliches Stück: wer die Zunge eines Leistenkrokodils zu sehen bekommen hat, kann meistens hinterher nichts mehr dazu erzählen.<span id="more-238"></span></p>
<p><strong>Speiseröhre</strong><br />
Durch die Speiseröhre rutscht die Nahrung in den Magen.</p>
<p><strong>Mageninhalt eines Indischen Schweinswals (<em>Neophocoena phocaenoides</em>)</strong><br />
Dieser Schweinswal hat vor seinem Tod große Garnelen und kleine Fische gefressen.<br />
Es ist zu erkennen, dass die Beute nicht gekaut, sondern nur verschluckt wurde: Die Krebse und Fische sind nicht zerkaut, allerdings sind sie schon teilweise angedaut. Der kleine Wal stammt aus dem südostasiatischen Küstenbereich, dort hat er auch die kapitalen Garnelen verkostet.<br />
Wale, die in Küstennähe leben und Garnelen fressen, leben in räumlicher und Nahrungskonkurrenz zum Menschen. Der Mageninhalt dieses Tieres deutet auf eine Interessenkollision hin, die zum Nachteil der kleinen Schweinswale ausgehen dürfte. Anatomische Präparate lassen also wichtige Rückschlüsse auf Ökologie und Artenschutz zu.</p>
<p><strong>Dünndarm (Stück) eines Seiwals (<em>Balaenoptera borealis</em>)</strong><br />
Ein langes, dünnes Stückchen Darm aus dem antarktischen Walfang.</p>
<p><strong>Blinddarm eines Haushundes (<em>Canis lupus</em>)</strong><br />
Der Blinddarm eines Hundes ist wenig spektakulär. Den meisten Menschen ist der Blinddarm vor allem als etwas nutzloser Anhang, der sich schlimmstenfalls entzünden kann und dann herausoperiert werden muss, bekannt.<br />
Bei einigen anderen Tiergruppen hat er aber eine sehr wichtige Funktion: Hasenartige,  Pferde und Meerscheinchen-Verwandte nutzen diesen speziellen Abschnitt des Darms, um schwer verdauliche Nahrung wie Gras besser aufschließen zu können. Hier werden bestimmte Enzyme produziert, mit denen dem Gras wichtige Nährstoffe entzogen werden können.<br />
Leider war in der Sammlung kein Hasen- oder Pferdeblinddarm vorhanden &#8211; den hätten wir gern präsentiert.</p>
<p><strong>Anus (Elefant)</strong><br />
Der Anus ist die Austrittsöffnung des Enddarms und wird von zwei Schließmuskeln geschlossen.<br />
Ein Elefanten-Anus erreicht eine beeindruckende Größe. Noch beeindruckender ist, dass ein Zoologe daran gedacht hat, von einem verstorbenen Zoo-Elefanten das A…-loch zu entnehmen und für die Nachwelt aufzubewahren. Dieses ungewöhnliche Stück durften wir der Öffentlichkeit keinesfalls vorenthalten.<br />
Es schließt im doppelten Sinne den Exkurs ins Verdauungssystem der Wirbeltiere ab.</p>
<p>Der Ausstellungsabschnitt zum Verdauungstrakt zeigt viele weitere Organe von der Leber eines Gorillas über meterlange Darmabschnitte bis zum spektakulären Straußenmagen.</p>
<p>Sogar ein <strong>leerer Magen</strong> ist dabei:<br />
Wenn der Magen leer ist, bewegen die Magenwandkontraktionen nur Luft und etwas Magensaft. Dadurch können grummelnde Geräusche entstehen: das Magenknurren.<br />
Das ist die wahre Kunst des Ausstellens: etwas auszustellen, was nicht da ist.<br />
Die Leere des Magens.<br />
Dafür hat das Magenknurren einen wirklich poetischen Namen: Borborygmus.<br />
So viele Silben für die Leere…</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
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		<title>Sammlungswelten – Anatomie für Neugierige und Connaisseure</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 17:46:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
		<category><![CDATA[Senckenberg-Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Ausstellung von anatomischen Feuchtpräparaten und Gewebeschnitten (Histologischen Schnitten) über Konservierungmethoden und Anatomie ist eine Rarität in den naturkundlichen Museen. Feuchtpräparate – also in konservierende Flüssigkeiten eingelegte Tiere und Pflanzen – sind zwar ein großer und wichtiger Teil jeder wissenschaftlichen naturkundlichen Sammlung, fristen aber normalerweise ein Aschenputteldasein, verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit. In diesem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Eine Ausstellung von anatomischen Feuchtpräparaten und Gewebeschnitten (Histologischen Schnitten) über Konservierungmethoden und Anatomie ist eine Rarität in den naturkundlichen Museen.<br />
Feuchtpräparate – also in konservierende Flüssigkeiten eingelegte Tiere und Pflanzen – sind zwar ein großer und wichtiger Teil jeder wissenschaftlichen naturkundlichen Sammlung, fristen aber normalerweise ein Aschenputteldasein, verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">In diesem Jahr bekam ich durch meine Mitarbeit an der Anatomie-Ausstellung “</span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Sammlungswelten“ </strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">im Senckenberg-Museum mal wieder die Gelegenheit, in diesen Feuchtpräparate-Sammlungen zu stöbern, die spannenden Geschichten hinter den Objekten herauszufinden und in einer Ausstellung zu verarbeiten.<span id="more-225"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Gestern, am 24.11. ist die kleine, aber feine Ausstellung eröffnet worden – und ich finde nun endlich die Zeit, dazu ein paar Blogbeiträge zu schreiben.<br />
Denn Geschichten gibt es genug zu erzählen&#8230;Jedes einzelne Präparat ist ein Unikat!</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Frankfurter Rundschau hat zur Eröffnung den sehr lesenswerten Beitrag <a title="FR: Ausstellung im Senckebegr: Glieder im Glas" href="http://www.fr-online.de/frankfurt/ausstellung-im-senckenberg--glieder-im-glas,1472798,11214274.html" target="_blank"><strong>&#8220;Ausstellung im Senckenberg: Glieder im Glas&#8221;</strong></a> gebracht, neben gutem Text und schönen Bildern mit einem Interview mit mir.<br />
</span><br />
D<span style="font-family: Arial,sans-serif;">ie Präparate in ihren gläsernen Behältnissen werden im Mobiliar einer alten Apotheke präsentiert, dadurch erinnert die Ausstellung an die alten Wunderkammern und Raritätenkabinette.</span></p>
<h4> <span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wunderkammern – zum Staunen und Angeben<br />
</strong></span></h4>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">In den Wunderkammern vergangener Jahrhunderte wurden die Anfänge der heutigen Museen gelegt: naturkundliche, völkerkundliche, archäologische und sonstwie interessante oder kostbare Objekte und Artefakte wurden ziellos gesammelt und ausgestellt: Mumien neben ausgestopften Krokodilen, Mineralien neben Narwalzähnen, exotische Skulpturen neben kostbarem Schmuck.<br />
Sie zeigten ungewöhnliche Dinge, die Kuriosiät blieb Selbstzweck und sollte den Ruhm des Besitzers steigern: Wer Kuriosiäten sammelte, mußte reich und weltgewandt sein. Fürsten, wohlhabende Gelehrte und reiche Angeber schmückten sich mit den exotischen Kuriositäten.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Im 19. Jahrhundert begann der Aufstieg der heutigen Wissenschaftszweige und das systematische wissenschaftliche Arbeiten (s. auch „Jules Verne und die Entdeckung der Meeresforschung“) . Aus den unsortierten “Ansammlungen“ der Wunderkammern wurden allmählich wissenschaftliche Sammlungen, die systematisch gesammelt und erforscht wurden – echte Sammlungen im heutigen Sinn.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Moderne Museen unterscheiden deutlich zwischen wissenschaftlichen und Schausammlungen. Die Aufgaben eines modernen Museums sind: Sammeln-Forschen-Bewahren-Vermitteln.</span></p>
<h4><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wie funktioniert eine Wissenschaftliche Sammlung?</strong></span></h4>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Jedes Objekt wird katalogisiert: Bezeichnung, Herkunft, Sa</span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;">mml</span></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">er/Vorbesitzer und viele andere Informationen werden sorgfältig aufgenommen. Die Präparate einer wissenschaftlichen Sammlung werden heute nicht mehr in den Sammlungsbüchern – dicken Folianten – geführt, sondern digital erfaßt. Dadurch sind wissenschaftliche Sammlungen weltweit abrufbar für andere Wissenschaftler.<br />
Die Sammlungsbestände sind sorgfältig sortiert: nach der systematischen Ordnung der Tiergruppen (Löwen und Tiger nebeneinander, weit weg davon Korallen und Bärtierchen) und nach ihrer Aufbewahrungsform. Knochen, Feuchtpräparate und Felle haben natürlich unterschiedliche Anforderungen für die sachgerechte Lagerung. Also: Löwen- und Tigerfell in der mottensicheren Fellkammer, Löwen- und Tigerschädel an anderem Ort und Löwenherzen und Tigerlebern im speziell belüfteten Alkoholtrakt.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Diese Sammlungen müssen regelmäßig betreut werden: Vom Nachfüllen von Alkohol bis zur Überprüfung auf Schädlingsbefall. Pelzkäfer in der Säugetiersammlung schrecken einen Museumsmitarbeiter mehr als Motten im Lieblings-Kaschmir-Pullover!<br />
Diese Sammlungen sind die Archive der Natur und der Schatz der Museen. Wissenschaftler greifen für ihre Forschungen auf diese Archive zurück: Entweder gehen die Präparate auf Reisen oder der Wissenschaftler kommt vorbei. So werden auch alte Stücke immer mal wieder unter neuen Gesichtspunkten bearbeitet und ihre Eigenschaften und Erkenntnisse publiziert.<br />
Besucher haben in der Regel keinen Zutritt.<br />
Wissenschaftliche Sammlungen sind Orte der Stille … und des Staubs. </span></p>
<h4> <span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Schausammlungen</strong></span></h4>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Eine Schausammlung ist das Schaufenster der Wissenschaft für die Öffentlichkeit.<br />
Hier werden meist selbst erklärende Eyecatcher ausgestellt: Um zu erkennen, wo bei einem Elefantenskelett vorn und hinten ist, muss niemand Zoologie studiert haben. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Skelette und Dermoplastiken (früher nannte man das „ausgestopft“) stehen in Reih und Glied, dazwischen räkeln sich Modelle, manchmal gibt es sogar noch lehrreich gemeinte Informationen über Texttafeln oder Monitore. Ein anständiges Schau-Präparat ist möglichst vollständig und ordentlich beschriftet.<br />
In den Schausammlungen sind große und spektakuläre Objekte überrepräsentiert, die kleinen scheinbar unscheinbaren sucht man oft vergeblich. Wie könnte auch ein in Alkohol eingelegtes Bärtierchen neben einem </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>T. rex</em></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">-Skelett bestehen? Die meisten Leute würde es glatt übersehen, denn bei aller Anstrengung kann es sein Maul bei Weitem nicht so weit wie Gevatter Dinosaurus aufreißen. Erst der Blick durch ein Mikroskop würde die Knuffigkeit dieses kleinen Wesens zeigen: Bärtierchen sehen aus wie Gummibärchen mit einem Beinpaar zu viel. Dabei sind die zarten Organismen hart im Nehmen und z. B. sehr erfolgreiche Astronauten.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Auch die inneren Organe von Tieren sind in Schausammlungen selten zu sehen: Das blanke Skelett eines Tieres ist sauber und pflegeleicht. Seine Organsysteme hingegen sind durch die Konservierungsflüssigkeiten oft grau-rosa verfärbt und scheinen für viele Besucher weniger ästhetisch zu sein.<br />
Dabei können diese Präparate wunderbare Geschichten erzählen&#8230;</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">In der kleinen feinen Anatomie-Ausstellung </span><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>„Sammlungswelten – konserviert für die Ewigkeit“ </strong></span><span style="font-family: Arial,sans-serif;">sind nun über 300 sorgfältig ausgewählte Feucht-Präparate von Wirbeltieren aus den wissenschaftlichen Sammlungen für die neugierigen Augen des Publikums aus ihrem Donröschenschlaf erweckt worden – eine Ausstellung für Neugierige und Anatomie-Conaisseure!</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><em>Bettina Wurche</em></span></p>
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		<title>Groß-Pampau: Wal!</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2011/07/23/gros-pampau-wal/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 09:14:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Fossile Wale]]></category>
		<category><![CDATA[Groß-Pampau]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Wale]]></category>
		<category><![CDATA[Bartenwal]]></category>
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		<description><![CDATA[1968 wurden knapp über der Tonschicht “Kanonenkugeln“ gefunden: runde Objekte mit sehr fester Oberfläche. Beim Öffnen dieser „Kanonenkugeln“ kamen große Wirbel zum Vorschein: sie gehörten zu einem großen fossilen Wal. 1984 kam dann der Sensationsfund: Nach den ersten Einzelfunden wurde dem erfahrenen Geschiebesammler Gerd Höpfner klar: hier lag der größere Teile eines Bartenwals! Die Bergung [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">1968 wurden knapp über der Tonschicht “Kanonenkugeln“ gefunden: runde Objekte mit sehr fester Oberfläche. Beim Öffnen dieser „Kanonenkugeln“ kamen große Wirbel zum Vorschein: sie gehörten zu einem großen fossilen Wal.<span id="more-125"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">1984 kam dann der Sensationsfund: Nach den ersten Einzelfunden wurde dem erfahrenen Geschiebesammler Gerd Höpfner klar: hier lag der größere Teile eines Bartenwals!<br />
Die Bergung des mehr als 10 m großen Fossils war eine komplexe Aufgabe: neben der schieren Größe des Fossils waren die Knochen außerordentlich empfindlich und mussten gleichzeitig auch noch mit Nachtwachen gegen Raubgräber geschützt werden.<br />
Die Bergung erfolgte ehrenamtlich, in mehrmonatiger Arbeit wurde das gesamte Skelett freigelegt. Die oberflächennah abgelagerten Knochen waren durch Sickerwässer weitgehend entkalkt worden und waren sehr zerbrechlich. Sie mussten vor der Bergung an Ort und Stelle mit flüssigem Kunstharz stabilisiert, einige Blöcke wurden im Ganzen stabilisiert und dann abtransportiert.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Knochen des Wals lagen zwar noch relativ vollständig und eng beieinander, aber das Fossil war durch die darüber liegenden bis zu 1000 m dicken Gletscher bei deren Scherbewegungen zerrissen worden. Dadurch waren die Knochen teilweise zersplittert, die Partikel mußten zusammen gesucht werden.<br />
Die Fossilien wurden durch ehrenamtlich tätige Menschen wie Herrn Höpfner und den Kiesgrubenbesitzer Herrn Ohle für die Nachwelt gerettet!<br />
Die Zusammenarbeit des Museums für Natur und Umwelt in Lübeck mit den Privatpersonen hat dazu geführt, dass die kostbaren fossilen Wale aus Groß-Pampau heute im Museum von allen Menschen bestaunt werden können.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">bw<br />
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		<title>Rezension: Joger et al: „Projekt Dino“</title>
		<link>http://blog.meertext.eu/2011/03/15/rezension-joger-et-al-%e2%80%9eprojekt-dino%e2%80%9c/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 14:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Wurche</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dinosaurier]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Paläontologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Fossilien]]></category>
		<category><![CDATA[Wüste]]></category>

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		<description><![CDATA[Durch einen glücklichen Zufall fiel mir das Buch „Projekt Dino“ von Ulrich Joger, Ralf Kosma und Fritz J. Krüger in die Hand: Der Expeditionsbericht der Grabungskampagnen 2007 und 2008 des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig. Klasse! Erstens liebe ich Bücher über Dinosaurier-Expeditionen und zweitens ist Uli Joger ein alter Bekannter von mir: Während meines Volontariats im [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Durch einen glücklichen Zufall fiel mir das Buch „Projekt Dino“ von Ulrich Joger, Ralf Kosma und Fritz J. Krüger in die Hand: Der Expeditionsbericht der Grabungskampagnen 2007 und 2008 des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig.<br />
Klasse! Erstens liebe ich Bücher über Dinosaurier-Expeditionen und zweitens ist Uli Joger ein alter Bekannter von mir: Während meines Volontariats im Hessischen Landesmuseum Darmstadt war er mein direkter Vorgesetzter: ein ausgewiesener Reptilienkenner (tot oder lebendig, egal) mit hoher Wüstenaffinität. Er hatte schon für die Wüstenausstellung im HLMD 2002 eine spektakuläre Sahara-Expedition durchgeführt…<br />
Bei der Gelegenheit hatte ich auch meine ersten Kontakte mit der Wüste, ein für mich eher fern liegendes Thema.</p>
<p>Mittlerweile amtiert Prof. Dr. Joger als Direktor des<a title="Staatliches Museum für Naturkunde Braunschweig" href="http://www.naturhistorisches-museum.de/" target="_blank"> Staatlichen Museums für Naturkunde in Braunschweig</a> und macht neben ausgezeichneter Forschung auch spannende Ausstellungen.</p>
<h4><strong>Expeditionsbericht der 2. deutschen Dinosaurier-Expedition nach der „Tendaguru-Grabung“</strong></h4>
<p>2007 und 2008 unternahm ein Expeditionsteam des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig zwei Grabungskampagnen nach Niger, in die südliche Sahara. Das Unternehmen war eine Kooperation mit Edgar Sommer und der von ihm gegründeten Hilfsorganisation „<a title="CARGO" href="http://www.tuareg-info.de/index_2.htm" target="_blank">CARGO</a>“.<span id="more-150"></span></p>
<p>„CARGO“ unterstützt Bildungsarbeit für die Tuareg, der Verleger Edgar Sommer bringt dazu in seinem Verlag Bücher in der Tuareg-Sprache Tamashek heraus und betreibt eine Schule vor Ort. Er war von Tuareg auf die Dinosaurier-Knochen aufmerksam gemacht worden, dann kam Prof. Joger ins Spiel und letztendlich wurde Schule gegen Dino-Knochen getauscht.</p>
<p>In der südlichen Sahara hatte bereits Paul Sereno sehr erfolgreich nach Dinosauriern gegraben und auch das Team aus Braunschweig wurde hier fündig.</p>
<p>Die wichtigsten Funde waren:<br />
-          die ersten Raptoren-Fährten dieser Gegend<br />
-          der vollständige 8 m lange Schwanz und Teile des Hinterbeins des Sauropoden <em>Jobaria<br />
</em>-          das vollständige Skelett eines noch unbekannten Sauropoden, der später als <em>Spinophosaurus</em> beschrieben wurde und heute ein Prunkstück des Naturhistorischen Museums in Braunschweig ist.</p>
<p>Die äußeren Umstände waren Hitze, Sand, Rebellion, eine sehr angespannte Sicherheitslage, Dino-Diebe, schwere Arbeit und Wassermangel…</p>
<p>In weiteren Kapiteln werden die Arbeit der Hilfsorganisation „CARGO“ mit ihrem Schulprojekt, die Präparation und Rekonstruktion der gefundenen Dinos und die Bearbeitung des neuen Sauropoden beschrieben.<br />
„Projekt Dino“ war ein umfassendes und interdisziplinäres Projekt, in dem viele Personen mit ihren speziellen Kenntnissen und ihrem Engagement zu einem großen Erfolg beigetragen haben. Und genau diese Team-Arbeit wird im Buch immer wieder deutlich.</p>
<p>Vor Ort arbeiteten zeitweise 24 Personen. Im Museum wurde die eigentliche Museums-Crew verstärkt durch viele freiwillige Fossilienliebhaber.<br />
Auf der Homepage des Naturhistorischen Museums gibt es <a title="Dino-Expedition Sahara" href="http://www.naturhistorisches-museum.de/gruss.html" target="_blank">weitere Informationen zu den Expeditionen</a>.</p>
<p><strong> </strong></p>
<h4><strong>Rezension</strong></h4>
<p>Die Texte sind super geschrieben und ansprechend aufgemacht. Der Expeditionsbericht liest sich flüssig und spannend. Verschiedene Autoren beleuchten unterschiedliche Aspekte der Expedition, der Ausstellung und der sozialen Projektanteile. Tagebucheinträge geben eindrucksvoll die Plackerei in der Wüste wieder und erwecken den Anschein, dabei zu sein.</p>
<p>Kein Pracht-Bildband, sondern ein eher bescheidenes Format. Aber mit aussagestarken Abbildungen von Ausgrabung, Expedition, Dinos, Land und Leuten. Rekonstruierte Sauropoden und lächelnde Tuaregs. Fossile Dinosaurier und lebendige Giftschlangen. Verhandlungen mit dem Bürgermeister vor Ort und Nahaufnahmen der Raptoren-Fußspuren. Gruppenbild der Expeditionsteilnehmer und Reifenwechsel in der Wüste.</p>
<p>Mir persönlich gefällt die Verknüpfung der wissenschaftlichen Expedition mit dem sozialen Projekt besonders gut.</p>
<p><strong> </strong><strong>„Projekt Dino“ ist unbedingt lesenswert!</strong></p>
<p>ISBN: 3938693177<br />
Cargo Verlag, (2009), gebunden, 175 Seiten</p>
<p>Und vielleicht sollte man sich bei Gelegenheit auch mal die Ausstellung angucken.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
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